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Team Gesundheit

Unterstützung bei Arztterminen und der Orientierung in Gesundheitssystem.

Kontakt: gesundheit[at]ak-fluechtlinge-kriftel.de
Koordinatorin: Dr. Susanne Veerhoff

Über das Team Gesundheit

Dr. Susanne Veerhoff

(Foto: Gerhard Schöffler)

Begleitung (fast) bis in den Kreißsaal

Dr. Susanne Veerhoff ist Internistin mit einer rheumatologischen Praxis in Hofheim. Im Sommer 2014 war sie bereits bei der Gründungsveranstaltung des Arbeitskreises Flüchtlinge „Willkommen in Kriftel“ mit dabei. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung nach Kriftel fliehen, zu helfen, ist für sie eine „gesellschaftlich wertvolle Aufgabe“. Ihr Beruf prädestinierte sie dafür, das „Team Gesundheit“ aufzubauen und zu koordinieren.

Medizinisches Vor- oder gar Spezialwissen benötigen die Teammitglieder allerdings nicht, betont die Team-Sprecherin. Die mittlerweile sechs Frauen und vier Männer des Teams wechseln sich vielmehr zurzeit dabei ab, Arzttermine auszumachen und die Flüchtlinge zum Arzt zu bringen beziehungsweise sie auch in Wartezimmer oder Behandlungsraum zu begleiten. Oft stellen sich andere Flüchtlinge als Dolmetscher zur Verfügung. „Dass gesundheitliche Beschwerden bestehen und welcher Art sie sind, dass erfahren wir von den Mitgliedern des Willkommens-Teams, die den ersten Kontakt zu den Flüchtlingen haben“, erzählt sie. Vorher waren es in der Gemeinschaftsunterkunft an der Raiffeisenstraße die Sprachlehrerinnen, die zuerst von Krankheiten oder Schmerzen erfuhren.

Problemen in Praxen vorbeugen
Untersuchungen nimmt Dr. Susanne Veerhoff selber nur in Notfällen vor. „Ich kann als Ärztin in dringenden Fällen Situationen und medizinische Notwendigkeiten besser einschätzen, aber selber führe ich keine Therapie durch“, betont sie. „Ich berate lediglich, welcher Weg bei der Behandlung einer Erkrankung der richtige und welcher Arzt sinnvoll ist.“

Veerhoff kennt die andere Seite: Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es für ein Praxisteam und einen Arzt ist, Menschen, die kein Deutsch und auch Englisch nur schlecht oder gar nicht sprechen, gut zu versorgen. „Da gibt es oft schon bei der Anmeldung wegen rein formaler Dinge, wie dem Fehlen eines Krankenscheins, Probleme oder unnötig Ärger.“ So gehe es den Mitgliedern des Teams Gesundheit auch vor allem darum, gewisse Dinge im Vorfeld abzuklären, wie die Frage, ob ein Krankenschein vom Sozialamt vorliegt, um die Ärzte zu entlasten und den Arztbesuch reibungslos zu gestalten. „Letzten Endes soll unsere Hilfe eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Die Menschen wollen ja gar nicht immer zum Arzt begleitet werden“, sagt sie und schmunzelt. In Notfällen haben die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Vergangenheit schon selbst einen Krankenwagen gerufen und so selber richtig und besonnen reagiert.

Erst zum Hausarzt!
Hilfe zur Selbsthilfe sei es auch, Termine möglichst bei Ärzten auszumachen, die zu Fuß oder per Fahrrad erreicht werden können – auch wenn eine Broschüre arabisch sprechende Ärzte im gesamten Main-Taunus-Kreis ausweise. „Wenn der künftige Hausarzt in Bad Soden seine Praxis hat, macht das für die Flüchtlinge in Kriftel wenig Sinn“, findet die Ärztin, die vor acht Jahren nach Kriftel gezogen ist. Die Helfer des AK seien angewiesen, Flüchtlinge zuerst zu einem Hausarzt zu bringen - und nicht direkt zu einem Facharzt. Veerhoff: „Der soll dann über den weiteren Behandlungsweg entscheiden.“

Wenige Notfälle
Bisher gab es in Kriftel zum Glück wenige Notfälle. „Das meiste sind bisher Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Schwangere oder auch die Impfung von Kindern. Termine, die nicht eilig sind“, erzählt sie. Bei akuten Bauch- oder Zahnschmerzen habe kürzlich sogar der Hausmeister auf der Mobile Home-Anlage am Sportplatz die Betroffenen kurzerhand zum Arzt gefahren.

Bei den Helfern sei mittlerweile eine gewisse Routine eingekehrt, eine Checkliste für rein formale Abläufe leiste gute Dienste. Anfangs war alles ein Abenteuer: Die Ärztin erinnert sich noch an einen ihrer ersten „Einsätze“ für den Arbeitskreis im Herbst 2014, als sie eine hochschwangere Eritreerin zur Anmeldung im Kreißsaal begleitete. „Da wurde mir deutlich, wie sich ein Mensch in der Fremde fühlt: Sie musste zu einem fremden Menschen ins Auto steigen und sie hatte Angst, weil sie kein Wort verstand und den Ablauf nicht kannte. Auch mir war mulmig zumute. Die Anmeldeformalitäten gestalteten sich schwierig.“ Mittlerweile ist das Kind eineinhalb Jahre alt und gesund und munter.

Bisher hat Dr. Susanne Veerhoff, die sich privat auch noch um eine Flüchtlingsfamilie kümmert, die von Kriftel nach Hattersheim gezogen ist, überwiegend positive Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. Genau wie die anderen Teammitglieder. Den zumeist weiblichen Ansprechpartnern vom Arbeitskreis Flüchtlinge begegnen auch die Männer mit Respekt. „Wir sind voll akzeptiert, es gibt keinerlei Autoritätsprobleme“, betont die Ärztin. Ganz im Gegenteil: Sie merke immer wieder, wie neugierig die Menschen auf Deutschland sind und wie sehr interessiert daran, das Land und seine Menschen persönlich kennenzulernen. „Sie wünschen sich Freundschaften“, weiß sie.

Quelle: Internetseiten der Gemeinde Kriftel (17.03.2016)